Wenn ich freiwillig einen größeren Teil eines Urlaubs oder einer gemeinsamen Anschaffung übernehme, würde ich nicht wollen, dass daraus später ein stilles Guthaben entsteht. „Ich habe damals mehr gezahlt“ ist ein ziemlich unangenehmer Joker für den nächsten Streit. Geschenk, gemeinsame Ausgabe und geliehenes Geld sollten möglichst verschiedene Dinge bleiben.
Wenn einer mehr zu den gemeinsamen Kosten beiträgt, entsteht leicht ein zweites Thema neben dem Geld.
Hat diese Person dann auch mehr zu bestimmen?
Mehr bezahlen kann eine faire Reaktion auf unterschiedliche Einkommen sein. Aus einer Beziehung sollte dadurch trotzdem keine Firma mit Mehrheitsanteil werden.
Person A kann 1.000 Euro Miete bequem bezahlen.
Person B kann 700 Euro bequem bezahlen.
Wenn A unbedingt die Wohnung für 2.000 statt für 1.400 Euro möchte, wird aus „wir teilen alles fair“ ziemlich schnell eine interessante Rechenaufgabe.
Vielleicht beginnt Fairness manchmal schon bei der Frage, wer den höheren Standard eigentlich wollte.
Bei gemeinsamer Kostenaufteilung geht es nicht nur darum, ob Miete und Lebensmittel bezahlt werden können.
Interessant ist auch, ob danach beide noch eigene Rücklagen aufbauen können.
Wenn einer jeden Monat sparen kann und der andere bei derselben Aufteilung dauerhaft bei null landet, ist die Rechnung zwar bezahlt. Die finanzielle Sicherheit ist trotzdem sehr unterschiedlich verteilt.
Zwei Menschen können dasselbe Netto verdienen und trotzdem finanziell sehr unterschiedlich dastehen. Studienkredit, Unterhalt oder andere feste Verpflichtungen verschwinden nicht aus dem Budget, nur weil auf beiden Gehaltsabrechnungen dieselbe Zahl steht. Für gemeinsame Kosten ist Einkommen deshalb manchmal nur die erste Zahl.
Für zwei getrennte Wohnungen muss niemand die komplette Gehaltsabrechnung des anderen kennen. Bei gemeinsamer Wohnung, Kredit oder anderen langfristigen Verpflichtungen wird finanzielle Transparenz aber praktischer. Gemeinsame Fixkosten funktionieren besser, wenn nicht erst nach der Unterschrift überraschend sichtbar wird, was beide tatsächlich tragen können.
Wenn ein Teil meines Einkommens aus Bonus oder Provision käme, würde ich gemeinsame Fixkosten ungern so planen, als wäre dieser Betrag garantiert. Ein gutes Jahr darf gern schöner werden. Die Miete sollte aber auch in einem mittelmäßigen Jahr noch funktionieren.
Wenn mein Partner deutlich mehr verdienen würde und unbedingt einen Urlaub möchte, der außerhalb meines Budgets liegt, würde ich vorher klären wollen, was das bedeutet.
Ist der höhere Anteil eine Einladung?
Oder soll ich später irgendwie ausgleichen?
Großzügigkeit fühlt sich angenehmer an, wenn sie nicht mit unsichtbarer Rechnung kommt.